Next Stopp: Das Königreich Belgien - Unterwegs in der Wallonie

 

Gestern stand unser Hauptstadt-Ausflug auf dem Programm. Brüssel, Bruxelles oder Brussels – die Metropole der Europäischen Union und „nur“ zweitgrößte Stadt Belgiens. Das hat uns Landeier dann so geflasht, dass wir heute einen geistigen und körperlichen Erholungstag einlegen. Zeit, auf unsere bisherige Zeit im Königreich Belgien zurückzublicken.

 

Gestartet sind wir im Süden, in der Stadt Bastogne. Die liegt noch in den Ardennen und damit war es dort auch wieder Zeit, in die Geschichte einzutauchen. Genauer gesagt in die Kriegsgeschichte und das Bastogne-War-Museum. Es ist selbstverständlich, dass eine Auseinandersetzung mit dem Thema wichtig ist. Wir haben in dieser Richtung schon sehr viel gesehen und ich bin dann auch geneigt zu sagen – so, jetzt ist aber auch mal gut. Zumal hin und wieder auch zu viel glorifiziert wird. Insbesondere auf französischer Seite. In Bastogne waren wir dann jedoch angenehm überrascht. Dort setzt man sich wirklich sachlich fundiert mit den beiden Weltkriegen auseinander, beleuchtet das Geschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln, ohne dabei anzuklagen oder überzogen zu heroisieren. Mit einem gut aufbereiteten Audio-Guide wird man durch die interaktive Ausstellung geführt.  Betroffenheit kommt an der einen oder anderen Stelle ganz von allein auf und obwohl wir glaubten, schon viel über die Geschichte zu wissen, kamen wieder neue Erkenntnisse hinzu. Für uns ein wirklich lohnender Besuch, den man unternehmen sollte, wenn man in der Region ist.

 

 

Ganz andere Betroffenheit löste dann die Weiterfahrt in Richtung Norden aus. Die idyllischen Ardennentäler, wie etwa das der Ourthe, waren im Juli 2021 ebenfalls sehr stark von der Flutkatastrophe betroffen. Wir mussten immer wieder Umleitungen fahren, weil einige der Strecken noch nicht wieder instandgesetzt sind. Und dort, wo wir durch die Dörfer kamen, in denen das Wasser wütete, bekamen wir das ganze Ausmaß zu sehen. Mancherorts stehen noch die Verpflegungsstationen des Roten Kreuzes, die improvisierten Duschcontainer und am Straßenrand häufen sich die Berge mit Sperrmüll und Unrat, der hier vorübergehend gesammelt wurde. Es scheint auch, dass eine große Zahl an Häusern noch nicht wieder bewohnbar sind. Erschreckend, was die Naturgewalten hier angerichtet haben.

 

Als Tourist bekommt man dann doch ein wenig ein ungutes Gefühl, hier Station zu machen. Die Menschen habe gerade andere Sorgen. Andererseits wurde uns aber auch ein Gefühl der Dankbarkeit vermittelt, dass wir trotzdem gekommen sind, die wieder instandgesetzten Einrichtungen besuchen, auch wenn sie teilweise noch eingeschränkt in Betrieb sind, und dass wir damit ein Stück weit auch einen Beitrag zur Unterstützung leisten.

Anbei also ein paar Impressionen aus der Wallonie, darunter das legendäre Spa, die als wohl schönste Region Belgiens gilt.

 

 

Nach dem Naturgenuss stand als erster Citytripp die Stadt Lüttich oder Liège auf dem Programm. Wir haben dafür einen Sonntag gewählt, weil dort ein riesiger Krämer- und Wochenmarkt am Ufer der Maas stattfindet. Dazu kam wunderschönes Wetter, so dass wir das Gewusel sehr genießen konnten. Über steile Treppen geht’s hinauf auf den Festungshügel und dort überblickt man die traditionelle und zugleich moderne Stadt. Und hier kam es auch erstmals zu einer der von uns so geschätzten Begegnungen mit Einheimischen. Bei einer Verschnaufpause auf der bekannten und touristisch beliebten Treppe auf den Montagne  de Beuren sprach uns ein Mann an. Auf den ersten Blick wirkte er etwas abgerissen, doch dann begann er zu erzählen und hörte gar nicht mehr damit auf 😉 Wir bekamen Tipps und Infos zur Stadt, wohin wir gehen sollen, was wir besuchen sollen etc. Gleichzeitig entschuldigte er sich für seine Redewut. Er habe schon etwas getrunken und dann käme er ins Quasseln, so der nette Mensch. Und das am frühen Vormittag….

 

Wie auch immer – Liège hat uns als besonders authentische und stimmungsvolle Stadt sehr gut gefallen. Fast fühlten wir ein wenig an Paris erinnert mit den engen, kopfsteingepflasterten Gassen, schönen Jugendstilgebäuden, Kathedralen und bunten Viertel. Très francais eben.

 

 

Dann ging es weiter in Richtung Flandern, wo wir vor den Toren von Brüssel auf einem Campingplatz Station machen und einige Städte erkunden. Dabei fielen uns weiterhin zwei Dinge auf:

 

  • Ganz Belgien scheint in der Umbauphase zu sein. Das Schild „Umleidig“ begegnet uns fast überall und wir werden durch enge Städtchen mit 3,5-Tonnen-Begrenzungen geleitet… Dabei bauen die Belgier fiese Schikanen in die Straßen. Poller, Schweller, enge Kurven, parkende Autos. Nix für unseren Mumin, auch wenn wir bislang unbeschadet durchgekommen sind.
  • Überall, und wirklich überall, sind die hübschen Rathausplätze mit der flandrischen Architektur und den Giebelhäusern mit grellbunten Jahrmarktsbuden und Fahrgeschäften zugepflastert. Anscheinend wurde und wird hier über die Sommermonate überall gefeiert oder man bietet den coronagebeutelten Schaustellern jetzt ein Zubrot. Für uns ist das sehr schade, denn ein gescheites Bild hinzubekommen, ohne einen grinsenden Totenkopf im Visier zu haben, ist schier unmöglich. Das führte dann auch zu folgender Kuriosität:

 

Stadtbesuch in Leuven, der ältesten Universitätsstadt des Landes. Hier musste ich natürlich die altehrwürdige Universitätsbibliothek besuchen, die in einem imposanten Bau untergebracht ist. Vom Turm hat man dann auch einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Davor einer der oben erwähnten Jahrmärkte mit Fahrgeschäften. Mittendrin ein aufgespießter Riesenkäfer, den wir als Grusel-Objekt zunächst eben jenem Jahrmarkt zuordneten.

 

Oben auf dem Turm der Bibliothek dann die Erleuchtung: der Käfer ist ein Kunstprojekt zu Ehren des 575. Geburtstages der Universität. Ein Käfer als Hommage an Schönheit, Wissenschaft und Wissen heißt es in der Erklärung. Nun ja – Ästhetik liegt eben immer im Auge des Betrachters.

 

 

Ja und nun sind wir bereits in Brüssel. Eine sehr eindrucksvolle Stadt, die uns Landeier aber auch voll gefordert hat. Ein Tag reicht für einen Besuch hier bei weitem nicht aus. Allein auf dem Museumsberg könnte man Tage zubringen, ebenso wie im Europaviertel. Dazu noch einen der bunten Flohmärkte am Wochenende…. Aber wir müssen weiter. Haben ja noch weitere Diamanten zu entdecken, zum Beispiel in Antwerpen 😉

 

 Ach ja – inzwischen spricht man hier Niederländisch. Nix mehr mit Französisch. In diesem Sinne „Doei“.

 


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