Slowakei Woche acht - Von Corona, wilden Tieren und dem ersten Schnee

So ganz langsam sind unsere Tage in der Slowakei gezählt und wir versuchen, die letzten Etappen unserer Reiseplanung abzuarbeiten. Das wird jedoch zunehmend schwierig. Hatten wir es zu Beginn unserer Reise nicht eilig und pflegten die Kunst des langsamen Reisens, so wird es jetzt aus verschiedenen Gründen ein bisschen eng.

 

Zum einen greifen ab dem 15. Oktober hier in der Slowakei nochmals strengere Corona-Regeln. Das Maultäschle muss nun auch im Freien und überall dort getragen werden, wo ein Mindestabstand von 5 – in Worten: FÜNF – Metern nicht eingehalten werden kann. Also überall.

 

Supermärkte haben eine Einlasskontrolle und sind von 9 bis 11 Uhr nur für Senioren über 65 Jahren geöffnet. Da kann ich jetzt also nicht mal mehr meinen Rentner zum Einkaufen schicken 😉

 

Restaurants dürfen Essen und Getränke nur noch im Freien oder zum Mitnehmen anbieten. Das ist bei der derzeitigen Wetterlage auch spassfrei. Wir haben inzwischen nämlich den ersten Schnee!!!! Aktuell stehen wir in dem wunderschönen Dorf Čičmany auf 660 Metern Höhe. Wir haben dem Ort den Namen „Lebkuchendorf“ gegeben, denn hier stehen wunderschöne Holzhäuser, die mit weißen Ornamenten dekoriert sind. Das Ganze sieht dann aus wie ein Lebkuchenhaus mit Zuckerguss. Seit zwei Tagen herrscht nun leider Dauerregen und Wind von quer. Richtiges Ussel-Novemberwetter. Dabei haben wir erst Anfang Oktober. Über Nacht hat sich nun der Regen in dicke Graupel verwandelt und heute Morgen blicken wir auf eine weiß gepuderte Landschaft um uns herum. Immerhin stehen wir schon mal an einem Skilift und die Piste ist in Sichtweite…. Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich Wintercamping hasse????

 

Neben Corona ist es die Großwetterlage, die uns ein wenig Kummer bereitet. Wir bräuchten jetzt noch eine Woche goldenen (oder zumindest trockenen) Oktober, damit wir unsere Touren planmäßig zu Ende bringen können. Der ist aber erstmal nicht in Sicht. Und zuhause erwartet uns dann weiteres Ungemach. Da wir mittlerweile aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreisen werden, müssen wir entweder in Quarantäne oder einen Test machen lassen. Soweit ok – aber der Sinn darf hinterfragt werden. Wir kommen schließlich von einem Risikogebiet ins andere. Wir haben in Zeiten von Corona also die Wahl zwischen Pest und Cholera….

 

Aber blicken wir zurück auf unsere Erlebnisse der vergangenen Woche. Die waren nämlich wieder sehr schön. Weitestgehend jedenfalls.

Neben schönen menschlichen Begegnungen hatten wir diesmal auch einige wunderbare tierische Erlebnisse. So lernten wir einen Jäger kennen, der mit seinem Habicht auf die Pirsch geht. Er parkte abends einfach neben uns und als wir uns neugierig nähern, dürfen wir die Habichtdame namens Suzanna sogar auf der Hand halten. Immer wieder ein erhebendes Gefühl, einem majestätischen Raubvogel so nahe zu sein.

 

Ein Kaiserplätzchen für die Übernachtung erwischten wir auf einer Passhöhe. Neben einer Zahnradbahn, die immer noch ihren Dienst tut, verbringen wir nicht nur eine ruhige Nacht. Wir sind auch von einer ganzen Meute von großen, weißen Herdenschutzhunden umzingelt. Brüder und Schwestern unseres Vierbeiners, die hier oben noch ihren Dienst tun. Auf den Almen werden Schaf- und Ziegenherden sowie Rinder gehalten. Die Hunde sind nachts unterwegs, um die Herden vor Bären und Wölfen zu schützen, die es hier oben zu geben scheint. Außerdem finden sich auf der Alm auch Wildpferde, die wieder angesiedelt wurden.

 

Die Hunde sind Menschen gegenüber absolut friedlich, allerdings werden wir ordentlich verbellt. Und als sich die weißen Riesen zunächst geräuschlos von hinten nähern, bebt ein wenig die Erde. Ein Kuvacz kann einfach nicht leise anschleichen 😉 Ach ja – es soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir hier oben auch köstlichen Lammbraten gegessen haben!!!

 

Dann haben wir die ehemalige Bergbauregion in der Mitte der Slowakei ein wenig erkundet. Und dabei ein weiteres Highlight entdeckt – die Stadt Banská Bystrica. Wir sind absolut überrascht und begeistert von dieser Stadt, die unter der Augsburger Fuggerfamilie zu Reichtum gekommen ist. Jugendstilbauten en masse, hübsche Plätze, ein Wochenmarkt und alles wunderschön renoviert. Rund um den großen Rathausplatz reihen sich Cafés und Restaurants aneinander. Und über allem schwebt an diesem goldenen Oktobertag ein Hauch von südländischem Charme. Von Corona ist nicht allzu viel zu spüren. Lediglich in den Museen wurden die Veranstaltungen abgesagt, aber für Besucher sind sie weiterhin geöffnet. Wir genießen die entspannte Atmosphäre und erklimmen noch den historischen Uhrenturm. Da wir wohl seit langem die einzigen ausländischen Gäste sind, kommen wir ins Gespräch mit der netten Dame an der Kasse. Sie erzählt uns in perfektem Deutsch, dass sie noch vor ein paar Jahren regelmäßig eine Reisegruppe aus Öhringen begleitete. Es handelte sich dabei wohl um einen Lehrer-Chor, der auch Konzerte in der Slowakei gegeben hat. Dann verrät sie uns noch einige Geheimtipps für ihr Land, will von uns wissen, wie wir Land und Leute bislang erlebten und wünscht uns noch eine gute Weiterreise. Wir werden die Stadt in sehr guter Erinnerung behalten.

 

Auf unserem weiteren Weg kommen wir auch durch das Tal, das uns von unserer ersten Slowakeireise vor drei Jahren noch irgendwie in Erinnerung geblieben ist. Damals verirrten wir uns wegen einiger haarsträubender Umleitungen auf unserem Weg nach Bratislava hierher. Bekannt kam uns ein Restaurant in the Middle of Nowhere vor, an dem damals etliche Motorradfahrer parkten. Jetzt im Herbst ist der Parkplatz leer – Platz genug für den Mumin, den wir am rauschenden Wildbach abstellen und sehr lecker in dem Restaurant „Das schwarze Schaf“ zu Abend essen. Wir verbringen hier auch eine ruhige Nacht, obwohl gleich nebenan am Wanderweg mal wieder vor Bären gewarnt wird.

 

Weniger lustig war unsere Erkenntnis, dass der Mumin doch nicht für alle Straßen dieser Welt taugt. Über die App Park4Night hatten wir uns mal wieder ein Plätzchen in den Bergen ausgeguckt. Hoch droben auf 1.300 Meter soll es liegen – das verlassene Berghotel. Dazu soll auch ein großer Parkplatz gehören. Und weil ein Hausmeister dort oben noch eine kleine Bewirtung für Wanderer betreibt, soll es auch noch super starkes, gratis WLAN geben. Ein idealer Ort, um ein paar Tage abzuhängen, Wäsche zu waschen, den Hund ausgiebig draußen zu vergnügen und gleichzeitig ein wenig zu arbeiten. So jedenfalls der Plan.

Was uns die App jedoch nicht verrät ist der Zustand des Zufahrtsweges nach oben. Das Berghotel ist unten im Ort angeschrieben und es gibt nur eine LKW-Begrenzung für Fahrzeuge, die länger als 12,5 Meter sind. Für uns also kein Problem. Wir folgen den Pfeilen auf der Straße und schwupps, verwandelt sich der Weg durch den Wald alsbald in ein anderthalbspuriges Sträßchen. Kurz darauf wird es sogar nur noch einspurig, die Äste und Zweige schrappen links und rechts am Mumin entlang und die Steigung hat es bald in sich. Ausweichstellen? Fehlanzeige. Leider sind tatsächlich auch einige PKWs unterwegs und die Schweißperlen auf Franks Stirn werden zahlreicher. Irgendwann kommt eine Kreuzung, an der wir die Möglichkeit haben zu wenden. Es liegen noch acht Kilometer vor uns, von denen wir nicht wissen, wie sie weitergehen. Das Ganze hier fällt eher in die Kategorie Wanderweg. Die Vernunft siegt, das Berghotel verliert und wir kehren um.

 

Aber weil dieser Tag noch nicht zu Ende ist und wir auf der Suche nach einem Plan B für unsere Übernachtung sind, geht das Abenteuer weiter. Wir haben ein Plätzchen ausgekundschaftet, am Stadtrand bei einem See und an einem Sportzentrum. Der Parkplatz sieht riesig aus und wir finden auch ziemlich problemlos hin. Doch dann verpeilen wir, bzw. unsere Navi-Susi (irgendwer muss ja schuld sein) die Einfahrt zum Parkplatz. Als wir den Irrtum bemerken, sind wir schon wieder auf einem einspurigen Sträßchen der Kategorie siehe oben. Nix zum Wenden, engstehende Bäume und hinter uns flugs eine Schlange mit PKWs. Wo die nur alle hinwollen? Vielleicht gibt’s da hinten ja etwas umsonst. Als wir eine kleine Möglichkeit finden, die Schlange vorbei zu lassen, trauen wir kaum unseren Augen. Hinter uns haben wir jetzt einen Langholztransporter im Windschatten. Der Fahrer signalisiert uns, dass wir am Ende tatsächlich wenden können. Aber ihm ist anzumerken, dass wir ein ziemliches Hindernis für ihn darstellen. Frank versucht, unser Dickschiff halbwegs heil durch die Schlaglöcher und unter den Ästen hindurch zu manövrieren. Als wir schließlich das Ende der Sackgasse erreichen, sind weitere Schweißperlen sowie einige neue Gebrauchsspuren am Mumin dazugekommen.

Und was haben wir sonst noch erlebt und gesehen? Frank freut sich, dass er endlich das letzte Freilichtmuseum auf unserer Sightseeing-Liste abhaken kann 😉 Die sind aber auch gar zu schön. Dann haben wir auch die wohl letzte Burg erobert. Da es in der Slowakei mehr als 200 davon gibt, mussten wir ein paar Prioritäten setzen. Aber vielleicht finden wir ja noch eine 😉. Wir hatten wieder mehrere freundliche Begegnungen mit der Polizei und ein netter Feuerwehrmann lotste uns auf einen kostenlosen Parkplatz direkt neben der Feuerwehr. Einer unserer Übernachtungsplätze entpuppte sich im Laufe des Samstagabends als Treffpunkt für die PS-Jugend der Region und bescherte uns eine etwas unruhige, weil lautstarke Nacht. Es bleibt also weiter spannend. Anbei noch ein paar Reise-Eindrücke dieser Woche und – Fortsetzung folgt.


Kommentare: 1
  • #1

    goldfish (Donnerstag, 15 Oktober 2020 15:48)

    Hi Ihr Lieben,
    war mal wieder spannend.
    Besonders die Wendemanöver, aber Frank schafft das wie immer

    Gruss
    goldfish (auch mit "Goschelumbe")