Prag – die goldene Stadt an der Moldau. Stadt der Dichter, Denker, Komponisten. Stadt des Jugendstils und des Kubismus. Eine Stadt, in der Geschichte auf Moderne trifft.
Aber auch eine Stadt hart an der Grenze zum Overturism. Flusskreuzfahrer, asiatische Reisegruppen, JungesellInnen auf Abschiedstour und dazwischen wir, die wir ja auch Touristen sind. Zwei Seiten einer Medaille. Und so stürzen auch wir uns ins Großstadtabenteuer, welches erstaunlich entspannt beginnt.
Die Wetter-App verspricht Sonnenschein für Prag und tatsächlich lacht sie von einem strahlend blauen Himmel, als wir uns auf den Weg in die City machen. Für unsere Prag-Erkundung haben wir uns einen Campingplatz direkt auf einer Moldau-Insel ausgesucht. Mit dem Mumin kommen wir auch problemlos dorthin. Keine Gewichts-, Höhen- oder sonstige Beschränkungen. Auch der Campingplatz ist geräumig und wir finden ein ruhiges Plätzchen mit Blick auf die Moldau. Nur wenige Schritte vom Campingplatz entfernt legt eine kleine Personenfähre an, um die Passagiere über den Fluss und zur nächsten Straßenbahnhaltestelle zu schippern. Perfekt für unsere Stadterkundung!
Für diese haben wir uns zwei Tage vorgenommen. Auf jeden Fall ist das zu wenig, um Prag auch nur annähernd gerecht zu werden. Doch für einen ersten Eindruck und die wichtigsten Things-to-See ist das schon mal ein Anfang. Und so starten wir den ersten Tag mit der Prager Burg. Leider hat es sich die Wetter-App inzwischen anders überlegt und beschert uns bedeckten Himmel. Wir hatten uns als Zeitfenster für Prag Mitte April ausgesucht. Nach Ostern und vor Mai. Und trotzdem ist es schon sehr voll.
Dreh- und Angelpunkt ist natürlich die Karlsbrücke. Über die müssen alle, die hinauf zur Burg wollen. Dann geht es viele Treppen hinauf und oben angekommen, können wir gerade noch die Wachablösung mitverfolgen. Der touristische Pulk löst sich danach schnell auf und alle pilgern in Richtung Veitsdom und altem Schlosspalast. Wir setzen unseren Rundgang in entgegengesetzter Richtung fort und schauen uns zunächst ein wenig im Burgviertel um bevor wir uns dem Pflichtprogramm widmen.
Erste Erkenntnis: irgendwie finden wir diesen Ort überbewertet. Vielleicht sind wir vom Reisen verwöhnt oder sogar übersättigt. Aber angesichts des Hypes, der um die Prager Burg gemacht wird, sind wir ein wenig enttäuscht.
Ja, hier oben wurde Geschichte geschrieben und ja, der Veitsdom ist riesig und ja, die Aussicht von dort oben ist grandios. Aber der berühmte Funke ist hier nicht übergesprungen.
Nicht einmal auf unsere Wetter-App ist Verlass. Sie hat uns 10 Stunden Sonne versprochen, doch auch Tag zwei ist bewölkt. Mit der kleinen Fähre und der Straßenbahn geht’s in Richtung Prager Alt- und Neustadt. Beides hat uns sehr viel mehr begeistert als die Prager Burg. Das beeindruckende Viertel Josefuv mit den jüdischen Synagogen ist ein echtes Highlight. Und obwohl es Montag ist, ist es wieder sehr voll. Etliche Reisegruppen und Schüler auf Klassenfahrt tummeln sich in der Stadt.
Wir lassen uns am zweiten Tag einfach mal treiben, genießen das Flair im Jugendstilcafé, wandeln auf den Spuren von Franz Kafka und beenden den Tag mit müden Füßen am Ufer der Moldau. Dies ist unser ganz persönlicher Favorit in Prag. Das entspannte Flair mit etlichen Kneipen und Restaurants auf Flussschiffen, das hat schon was. Hier lässt man sich gerne nieder, schaut den Radfahrern und Flaneuren zu und genießt ein wenig Savoir vivre bei einem Prager Bier. Das Leben am Fluss, das hat schon was.
Prag - Top oder Flop? Zu einem finalen Urteil sind wir zunächst nicht gekommen. Grundsätzlich mögen wir diesen »Herdentrieb« nicht, hassen lange Warteschlangen, das Durchschleusen der Touristengruppen ohne persönliche Note und das Gefühl der Abzocke, das in Prag durchaus aufkommt.
Doch Prag ist tatsächlich sehr sehenswert und es gibt auch noch authentische Ecken mit Flair. Die muss man jedoch suchen und so wirklich gefunden haben wir sie in der Kürze der Zeit nicht.
Unser Fazit für Prag lautet also: Ja, aber...