Der Reisende sieht Dinge, die ihm unterwegs begegnen.

Der Tourist sieht das, was er sich vorgenommen hat zu sehen.

(G.K. Chesterton)


Otterndorf an der Elbe 2022

Unter diesem Motto haben wir im Juli 2022 die Rollen getauscht und sind zwei Wochen lang nicht als Reisende, sondern als Touristen unterwegs.

Unser Mumin wurde gegen ein Hotel getauscht, wir müssen keine Routen planen und Ziele recherchieren, wir müssen nicht kochen und einkaufen... Kurz: wir machen URLAUB vom Reisen ;)

Als Ziel hatten wir die Stadt Otterndorf an der Elbe etwa 15 Kilometer südlich von Cuxhaven ausgeguckt. Wir kannten die Region bereits ein wenig von zwei Famlienurlauben, damals in einem Ferienhaus. Allerdings ist das schon mehr als 20 Jahre her, doch wir hatten diese Ecke im Norden Deutschlands irgendwie noch in sehr guter Erinnerung. Als Frank nun das Angebot seines ehemaligen Arbeitgebers erhielt, seinen Erholungsaufenthalt für langjährige Mitarbeiter nachzuholen, der durch die Corona-Pandemie mehrmals verschoben wurde, zögerten wir nicht lange und buchten uns im Hotel am Medemufer ein. Schauen wir also, wie uns diese für uns ungewohnte Auszeit bekommt.

Wie sieht nun unser Tag als Touristen aus?

Gleich neben dem Hotel befindet sich die Sole-Therme von Otterndorf mit Saunen, Schwimmbecken, Wassergymnastik-Angeboten und Co. Für uns ist all das auch nutzbar, Sauna gegen einen Aufpreis. Unser guter Vorsatz,  morgens noch vor dem Frühstück etwas für die Fitness zu tun und zum Frühschwimmen zu gehen, scheitert gleich am ersten Tag. Nach der langen Autofahrt am Anreisetag verschlafen wir und dabei soll es in den nächsten zwei Wochen auch bleiben. Aufstehen ohne Wecker ist angesagt. Und dafür ist die Frühschwimmer-Öffnungszeit von 6.00 bis 7.30 Uhr einfach zu früh. Kommt zudem meiner Turnbeutel-Allergie entgegen ;)

Erster Akt des Tages ist also der Besuch des ausgezeichneten Frühstücks-Buffets. Gut gestärkt können wir uns dann der weiteren Gestaltung des Tages widmen. Schauen wir zuerst das Städtchen Otterndorf mal genauer an.

Otterndorf (7.500 Einwohner) ist ein Nordseebad im Landkreis Cuxhaven, historische Fachwerkstadt, liegt an der Medem und dem Elbe-Weser-Schiffahrtsweg, wurde erstmals 1261 urkundlich erwähnt und entstand aus einer sogenannten Wurtsiedlung. Soviel zu den Fakten und wer mal bei Wikipedia nachschaut, findet ziemlich viel über Otterndorf

Uns hat die sympathische und überschaubare Kleinstadt sehr gut gefallen. Alles ist hübsch gepflegt, die Stockrosen wachsen wirklich an jeder Ecke, es gibt nette Geschäfte (ich sage nur Wolle- und Buchläden) und hübsche Häuser. Einiges über Otterndorf haben wir bei einer äußerst amüsanten Stadtführung mit der Nachtwächterin Vera Dieckmann erfahren. Unter anderem, was es mit den Hexenbesen im Fachwerk vieler Gebäude auf sich hat und warum im ehemaligen Gefängnis heute hochrangige Manager einsitzen.

Eine weitere, sehr wichtige Tagesbeschäftigung im Norden ist Schiffe gucken.

Klar, wenn man hier an einem Weltschifffahrtsweg ist. Wir gucken also Schiffe an der Elbe, am Hadelner Kanal, im historischen Hafen von Neuhaus an der Oste und an der Alten Liebe in Cuxhaven. Dort werden übrigens auch die jeweils aktuell live vorbeifahrenden Schiffe auf ihrem Weg von oder in die Nordsee kommentiert. Woher und wohin, wie lange und wie schnell, unter welcher Flagge und in welcher Funktion. Spannend, hier ein wenig das Flair der großen weiten Welt zu schnuppern. Und total entspannend, den Pötten hinterherzublicken.

Wir sind sogar richtige Profis geworden. In digitaler Form kann man online den Schiffsverkehr auf der Elbe in Echtzeit verfolgen.

Weil wir ja unser morgendliches Fitnessprogramm regelmäßig verschlafen haben, holen wir die körperliche Ertüchtigung mit ausgedehnten Fahrradtouren nach. Es macht hier oben im Norden auch richtig Spaß. Es gibt schöne Radwege, alles gut markiert und Berge sucht man ebenfalls vergeblich. Doch wenn der Wind auffrischt, dann kann die Radtour locker zur Bergetappe werden. Nicht nur einmal haben wir den Turbo unserer E-Bikes aktiviert, um gegen den Wind anzustrampeln. Die Touristeninformationsbüros halten übrigens tolle Radweg-Beschreibungen sowohl entlang der Küste als auch ins Hinterland bereit. Unser persönliches Fazit: In zwei Wochen haben wir 296 Radkilometer zurückgelegt!!! Und das mit meiner Turnbeutel-Allergie...

Ganz wichtig bei unseren Fahrradtouren war eine weitere Beschäftigung: Schäfchen zählen

Die flauschigen Wegelagerer sorgen dafür, dass die Deiche regelmäßig gemääääht werden. Aber auch ein paar andere tierische Zeitgenossen kreuzten unsere Wege ;)

Ein weiteres Fitness-Programm waren unsere Watt-Spaziergänge. Irgendjemand zieht hier oben regelmäßig den Stöpsel und wo gestern noch Wasser war, ist heute breiter Strand und Watt. Also nix wie rein in den Schlamm. Ist quasi Fußreflexzonen-Massage und wenn man die Prozedur auch noch mit dem richtigen Wattführer unternimmt, eine Wohltat für die Lachmuskeln. Zudem Gehirn-Jogging, denn wir lernten einiges über Wattwürmer, Nordseegarnelen und Touristen in Wattkäfigen.

Sehr empfehlenswert an den beiden Tagen, als wir etwas von der grassierenden Hitzewelle zu spüren bekamen. Mit den Füßen im Schlamm lassen sich auch Temperaturen über 30 Grad gut aushalten.

Und weil es natürlich nicht ganz lassen können und wir (insbesondere ich - Ulli) nicht ganz ohne kulturelles Programm können, gab es auch zwei Stadtausflüge. Den Anfang machte die Hansestadt Stade, in der wir uns ein wenig an das belgische Brügge erinnert fühlten. Eine wunderschöne Altstadt am Ufer der Schwinge, holprige Kopfsteingassen und hyggelige Geschäfte. Sehr sympathisch und das Städtchen hat uns auf Anhieb begeistert.

Der zweite Stadtausflug führte uns nach Bremerhaven. Dort standen zwei Museen auf unserer Wunschliste. Einmal das Deutsche Auswandererhaus, zum anderen das Klimahaus. Da wir bereits in Antwerpen das dortige Auswanderermuseum besucht hatten, gaben wir zunächst dem Klimahaus den Vorzug. Das hat uns dann so geflasht, dass wir gut drei Stunden darin zubrachten und der Kopf danach zu voll für ein weiteres Museum war. Das Klimahaus ist sehr spannend aufgebaut und führt interaktiv entlang des 8. Längengrades einmal rund um den Globus. Dabei werden die Klimazonen, die Landschaften und die Menschen in den jeweiligen Ländern besucht. Mit vielen Geschichten, Exponaten und tatsächlich sehr frostigen Temperaturen in der Arktis. Alles untergebracht in einem architektonisch sehr futuristischen Gebäude in den neu gestalteten Havenwelten. Aktueller denn je und ein Besuch ist unbedingt empfehlenswert, wenn man mal dort ist.

Last-but-not-least hatten wir natürlich auch jede Menge kulinarischer Genüsse zu bewältigen. Das war wirklich das stressigste Programm des Tages. SOOOOOO viel Auswahl! Ganz oben auf der Liste stand natürlich das obligatorische Fischbrötchen. Auch da mussten wir uns entscheiden. Matjes oder Bismarck, Backfisch oder Krabben, mit oder ohne Kräuter....

Dabei hatten wir ja eigentlich gar keinen Hunger. Morgens das reichhaltige Frühstücksbuffet und abends das Drei-Gänge-Menü sorgten schon mal für eine gute Grundlage. Aber so ein Fischweck passt eben immer noch rein ;)  Nun ja - ein wenig Hüftgold müssen wir auf unserer Bilanz dann auch verbuchen.


Urlaubsfazit: Schön war's im Norden Deutschlands

Zwei Wochen im Norden Deutschlands liegen hinter uns. Eine sehr erholsame Zeit, während der wir die Ruhe und Weite der Landschaft genießen konnten. Für uns völlig ungewöhnlich war dabei die Rundum-Versorgung im Hotel. Normalerweise gar nicht so unser Ding. Doch das maritime Ambiente, das gute Essen und das wirklich sehr herzliche, freundliche Personal im Hotel am Medemufer ließen uns beim Abschied fast schon ein wenig wehmütig werden. Man kann sich eigentlich ganz gut daran gewöhnen ;)

Und wir fragen uns tatsächlich, warum wir schon so lange nicht mehr in Norddeutschland unterwegs waren.

 

Was ist uns sonst noch aufgefallen:

Eigentlich hatten wir ein etwas ungutes Gefühl, ausgerechnet in der Hochsaison in eine Urlaubsregion zu fahren. Nach den Berichten des vergangenen Sommers rechneten wir mit einem vollen Hotel, überfülltem Strand, Gedränge auf den Promenaden. Doch weit gefehlt. Es war zwar überall belebt, Gäste waren da, es fanden Jugendfreizeiten auf den Campingplätzen statt. ABER: Es herrschte nie das Gefühl der drangvollen Enge. Überall war reichlich Platz, es gab freie Strandkörbe. Ja selbst die Wohmobil-Stellplätze an beliebter Stelle wiesen noch reichlich Freiräume auf. Vom überall so beklagten Campingboom war nicht wirklich etwas zu spüren. Ist der Hype vielleicht bereits vorüber? Kurzum: Wir fanden eine sehr entspannte und ruhige Urlaubsregion vor. Genau richtig, um ein paar Tage die Seele baumeln zu lassen.

Selbst auf der Autobahn hatten wir bei An- und Abreise Glück. Wir fuhren jeweils an einem Donnerstag und trotz zahlreicher Baustellen auf der A 7 ging es gut voran.

Einzig zu bemeckern gibt es unsere Kaffee- und Pipi-Pausen beim Fastfood-Riesen mit dem großen M. Zwar gehören wir nicht zu den Stammkunden, doch auf längeren Autobahn-Fahrten war der Besuch für eine Kaffeepause immer ok. Der Klassiker an der A 7 ist für uns auf halber Strecke ein großer Autohof. Ich weiß nicht, wie oft wir hier bereits Frühstücks-, Tank- und Kaffeepausen von Süd nach Nord oder umgekehrt eingelegt haben. Immer zufrieden, immer alles ok. Doch nun das: Vor Schmutz starrende Toiletten und Essbereiche, Self-Service nur noch am Automaten, der Kaffee eine mit Bohne versetzte Brühe und für den Cappuccino-Schaum bekommt man keinen Löffel mehr, sondern nur noch einen Holzspatel. Hallo - geht's noch??? Hier müssen wir uns wohl künftig nach Alternativen umschauen.

Ebenfalls aufgefallen sind uns die vielen, vielen Militärkonvois. Etwas, das früher völlig normal war. In Zeiten der Frühjahrs- und Herbstmanöver waren solche Konvois auf Autobahnen fast schon an der Tagesordnung. Wann hat das eigentlich aufgehört? Ich weiß nicht, wann wir das letzte Mal so viele Bundeswehrfahrzeuge sahen. Im Norden dann auch noch etliche Jagdflugzeuge. Da macht sich dann doch ein mulmiges Gefühl breit und ich frage mich schon, wohin wir steuern. 

Gut erholt sind wir nun also bereit für neue Taten. Während wir uns verwöhnen ließen, bekam auch unser Mumin eine kleine Frischzellenkur. TÜV, Kundendienst, neue Reifen - insofern sitzen wir schon bald wieder in den Startlöchern. Nach der Reise ist bekanntlich immer auch vor der Reise.


Kommentare: 1
  • #1

    goldfish (Samstag, 06 August 2022 11:17)

    yepp, ein Hotel hat auch was :-)

    Gruss
    goldfish