Marokko Woche Eins

Nun sind wir seit einer Woche in Marokko unterwegs. Wir haben uns vom Norden her entlang der Atlantikküste bewegt, erste Medinas besucht, Sonnenuntergänge genossen und uns in das Abenteuer Großstadt gestürzt.

Wir haben erste Restaurantbesuche hinter uns, leckeren Fisch und Tajine gegessen und wir hatten bereits nette Begegnungen mit den verschiedensten Menschen. Und ja - was sollen wir als erstes Fazit sagen?

Überrascht sind wir von der großen Freundlichkeit, die uns allerorten begegnet. Überall werden wir nett empfangen, unser Mumin ist mal wieder ein Türöffner und auch unterwegs wird oft gewunken oder gehupt. Der Daumen stets nach oben gereckt. Das ist schon faszinierend.

Auf einem Campingplatz kamen wir schnell ins Gespräch mit einem netten Marokkaner aus Meknes, der mit seinem Sohn unterwegs war. Als pensionierter Professor für Physik gab er uns jede Menge Tipps, zu Land und Leuten. Außerdem trafen wir Tom aus den Niederlanden, der vier Wochen lang mit seinem Landrover im Dachzelt unterwegs ist. Ein Paar aus Emmendingen am Kaiserstuhl war mit seinem LKW-Expeditionsmobil bereits auf dem Heimweg nach Deutschland (ihr Fahrzeug stand nur wenige Meter von uns auf der Camp-Area der Messe Abenteuer und Allrad in Bad Kissingen). Die Welt ist manchmal doch sehr klein.

 

Erschrocken und zwar WIRKLICH erschrocken sind wir darüber, wie verdreckt dieses bislang wunderschöne Land ist. Ich rede da nicht von wilden Müllkippen - darauf waren wir gefasst. Dass jedoch ganze Strände, Felder und Wälder komplett zugemüllt sind mit Bergen von Plastikflaschen, das ist wahrlich abstoßend. Zumal die Menschen noch nicht wirklich sensibilisiert zu sein scheinen. Mehr als einmal konnten wir beobachten, dass die Flasche ausgetrunken und einfach fallen gelassen wird. Der Mülleimer wäre nur zwei Schritte entfernt gewesen. Selbst von der Aussichtsterrasse eines Restaurants werden die Plastikflaschen einfach über die Brüstung hinunter an den Strand geworfen. Das stimmt schon sehr traurig und ich glaube, wir brauchen weltweit noch viel mehr Greta Thunbergs, die hier aufstehen und weltweites Handeln von den Politikern einfordern. Ich will gar keinen Zeigefinger erheben - wir Westeuropäer haben selbst lange genug gebraucht, um ein Mindestmaß an Umweltbewußtsein zu entwickeln. Wie soll es dann hier anders sein. Aber wir haben eben nur einen Planeten und der ist bekanntlich rund. So - jetzt aber genug lamentiert - ich will ja eigentlich ein wenig von unseren Marokko-Eindrücken berichten.

Deshalb hier ein paar Impressionen von unserem Weg vom Mittelmeer entlang der Atlantikküste bis nach Casablanca.

 


Abenteuer Großstadt - von einem rasenden Taxifahrer, einer gigantischen Moschee und dem Traum von 1001 Nacht

Ja, und so haben wir uns in der ersten Woche bis vor die Tore von Casablanca vorgearbeitet. Bislang keine allzu große Herausforderung, die Straßen sind weitgehend gut bis sehr gut ausgebaut und an die Fahrweise der Marokkaner kann bzw. muss man sich gewöhnen.

Da unser Dickschiff mit den Ausmaßen des Mumins für die Großstadt nur sehr, sehr bedingt geeignet  - um nicht zu sagen - völlig ungeeignet ist, haben wir heute die beste Entscheidung unseres Lebens getroffen. Für unser Abenteuer Casablanca buchen wir uns ein Grand Taxi für 400 DH (40 Euro). Es bringt uns gegen 10 Uhr die knapp 30 Kilometer bis ins Zentrum und steht uns dort auch den ganzen Tag zur Verfügung. Die Fahrt geht über Mohammedia mit seinen nagelneuen Villen und Ferienzentren einerseits (unter anderem gibt es hier einen Plage Mannesmann samt gleichnamigem Neubauviertel) und den Elendsvierteln mit Bretterbehausungen andererseits. Ein ziemliches Kontrastprogramm. Vorbei an einem riesigen Industrie- und Raffineriebezirk geht es nahtlos in den Vorstadtbereich Casablancas über.

Nun beginnt unser Taxifahrer zur Höchstleistung eines Michael Schumacher aufzulaufen. Im vormittäglichen Berufsverkehr der 4-Millionen-Einwohner-Metropole manövriert er uns atemberaubend zwischen querenden Fußgängern, Pferdefuhrwerken, rasenden Mopeds und LKWs hindurch. Mal rechts, mal links überholend. Auf der zweispurigen Einfallstraße werden kurzerhand noch eine dritte und vierte Spur eröffnet. Rote Ampeln? Ein nettes Beleuchtungsinstrument, das allenfalls empfehlenden Charakter hat. Rechts vor links? Wer bremst, verliert.

In derartiger Kamikaze-Manier gelangen wir heil ins Zentrum der Stadt, das momentan eher der Großbaustelle in Stuttgart S21 ähnelt. Es wird gebuddelt und gegraben all überall. Die Baustellenspur,  maximal 2,50 Meter breit, teilen sich ebenfalls Fußgänger und Fahrzeuge aller Art. Nicht vorstellbar, wenn wir hier mit dem Mumin feststecken würden....

Zwischen modernen Hochhäusern und Einkaufstempeln geht's vorbei an Hafen und Bahnhof zur Moschee Hassan II. Eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt. Der Monumentalbau mit einem 200 Meter hohen Minarett - es ist das höchste der islamischen Welt - kann als einzige Moschee auch von "Ungläubigen" besichtigt werden. Das müssen auch wir uns anschauen.

Danach bringt uns unser Taxi in die "Nouvelle Medina". Unser Fahrer meint, die wäre viel schöner als die alte, die zudem wegen der Bauarbeiten momentan auch nur schwer zu erreichen wäre. Offenbar soll sie komplett untertunnelt werden.

Zunächst fährt er uns zu einem sehr offiziell aussehenden Gebäude mit einem eindrucksvollen Tor, in das wir uns angesichts der zahlreichen Wächter gar nicht hineingetraut hätten. Unser Fahrer verhandelt, es gibt Shake-hands und wir werden vom Wärter gefragt, wo wir denn herkommen würden. Allemagne - das ist gut - wir werden höflich hereingebeten. Wie wir ergoogeln, sind wir nun in der Makhama - einem Gerichtsgebäude aus dem Jahr 1956 und erbaut im spanisch-maurischen Stil. Der Bau diente einst dem Pascha von Casablanca als Residenz. Entsprechend tauchen wir ein in 1001 Nacht und der Pascha an meiner Seite fühlt sich hier sichtlich wohl ;)

Zauberhaft und wir sind die einzigen Touristen hier.

Weiter geht es zum Mittagessen. Unser Fahrer empfiehlt uns ein wirklich gutes Lokal mitten in der Medina. In einer Ecke sitzen Berbermänner und spielen auf ihren traditionellen Instrumenten. Wir genießen die Plat du Jour - leckere Tajine. Einmal mit Lamm, Mandeln und Rosinen, einmal mit Rindfleisch, Safran und Salzzitronen. SEHR lecker!!!

Frisch gestärkt geht es ins Souk-Viertel. In wunderschönen Arkadengängen gibt es Kunsthandwerk, Kleider, Lebensmittel und vieles mehr. Hier erledigen auch die Marokkaner ihre Einkäufe für den täglichen Gebrauch und wir können weitgehend unbehelligt durch die Gassen schlendern. Wirklich erholsam und nachdem in allen Reiseführern eher ein Bogen um Casablanca gemacht wird, sind wir positiv überrascht.

Zurück geht es nun wieder in halsbrecherischer Manier heraus aus Casablanca. Immer überraschend, dass alle - Inshallah - irgendwie auf ihrer chaotischen Umlaufbahn bleiben und die maximal 5 Zentimeter Abstand reichen, um ungestreift aneinander vorbei zu kommen. Anstatt Bremspedal gibt es eine Hupe - je lauter, desto besser. Und so kommen wir auch wieder heil heraus aus unserem Abenteuer Großstadt.


Kommentare: 1
  • #1

    Bettina (Dienstag, 17 September 2019 18:07)

    Liebe Ulli,
    Du schreibst so super und die Bilder sind so megaschön!!!

    Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht!
    Gute Reise weiterhin
    Liebe Grüße